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Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Max Schaldach

* 19. Juli 1936 , † 5. Mai 2001

Portrait Prof. Max Schaldach






Medizin und Technik faszinierten Max Schaldach schon als Physikstudent gleichermaßen. Das fiel dem Herz-Chirurgen Prof. Dr. Emil Sebastian Bücherl auf, der die interfakultative Arbeitsgruppe „Experimentelle Chirurgie“ an der Technischen Universität Berlin leitete. Von Bücherls Idee, gemeinsam den ersten deutschen implantierbaren Herzschrittmacher zu entwickeln, war Max Schaldach sofort begeistert. Dritter im Team wurde ein ehemaliger Mitschüler Max Schaldachs, Otto Franke, Student der Elektrotechnik.

Der erste deutsche Schrittmacher: besser als die Konkurrenzprodukte.

Ihr gebündeltes Wissen führte bald zum Erfolg. 1963 präsentierte das Team den Prototypen des ersten deutschen Schrittmachers. Das Gerät mit der schlichten Typenbezeichnung IP-3 wies etliche Vorteile auf: Es war zuverlässiger, kleiner, leichter und besser implantierbar als die importierten Konkurrenzprodukte. Dank der abgerundeten Gehäuseform wurden Gewebeschäden minimiert. So konnte zum ersten Mal ein Schrittmacher statt unter dem Bauchnabel - also weit von Herzen entfernt - in Brusthöhe unter die Haut gesetzt werden. Die umständliche Kabelführung durch das Bindegewebe des Patienten wurde überflüssig. Die vielversprechende Implantation dieses ersten Prototypen war der Beginn einer langen und spannenden Karriere Max Schaldachs.

Max Schaldach wird zum führenden Forscher der Biomedizintechnik.  

Nahezu 40 Jahre lang war Max Schaldach einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der biomedizinischen Technik und Pionier der Schrittmachertechnologie. Er legte großen Wert auf eine zielgerichtete und produktorientierte Forschung. Daher zogen seine Arbeiten meist technologische Anwendungen in der Medizin nach sich.

Parallel zu den anwendungsorientierten Arbeiten an medizinischen Geräten führte Max Schaldach seine auf die physikalischen Grundlagen bezogenen Forschungen im Bereich der Festkörperphysik und der physikalischen Elektrochemie fort. 1970 wurde er an der TU Berlin zum Professor für Experimentalphysik ernannt. Noch im gleichen Jahr folgte seine Ernennung zum Abteilungsvorsteher und Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg. 1971 wurde er dort geschäftsführender Direktor des Zentralinstituts für Biomedizinische Technik, zwei Jahre später berief ihn die Universität auf den Lehrstuhl für Physikalisch-Medizinische Technik.

Interdisziplinär und praxisorientiert: das „Erlanger Modell“.

Max Schaldach setzte dort die Forschungs-schwerpunkte gemäß seines Verständnisses von effektiver Forschung. Seine Erfolgsformel: Forschung ist die interdisziplinäre Suche nach Lösungen für praxisbezogene Probleme mit realen Zusammenhängen. Später wurde dieser Ansatz als „Erlanger Modell“ bekannt - ein Forschungsprinzip, basierend auf einem fachübergreifenden, anwendungsorientierten, unternehmerischen Denken und Handeln, das dem Mediziner technische Mittel für Diagnostik und therapeutische Eingriffe an die Hand gibt.

Therapien im Einklang mit der Natur.

An der Charité in Berlin fand Max Schaldach 1968 gemeinsam mit einer Gruppe von Ärzten eine Methode zur Fixation einer Elektrode im Vorhof. Später ermöglichte die Mikroelektronik weitere Entwicklungen für die physiologische Stimulation: 1981 den universellen Stimulationsmodus (DDD), 1991 einen Schrittmacher mit Closed Loop Frequenzanpassung. Max Schaldach folgte der Idee, einen Stimulationsmodus in der Schrittmachertherapie zu entwickeln, der die Natur nachempfindet und ein Teil von ihr wird. Er erkannte zudem, dass ein Implantat langzeitstabil und in den körpereigenen Regelkreis eingebunden sein sollte.

Mit vielen Mitstreitern experimentierte er im Rahmen seiner Forschungsaktivitäten am Erlanger Institut mit verschiedensten Materialien für alloplastische Implantate (z.B. orthopädische Prothesen, Herzklappen). Er entdeckte, wie solche Implantate die Thrombenbildung unterstützen. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurden später Koronarstents entwickelt, die mit amorphem Siliziumkarbid beschichtet sind und damit eine besonders gute Langzeitstabilität mit sich bringen. Auch die Produktion fraktal beschichteter Elektroden waren eine Folge dieser Arbeit.

Telekardiologie: ein revolutionäres Konzept

Weitere Innovationen, wie die Entwicklung eines mobilen Fern-Überwachungssystems, zeigen den außerordentlichen Weitblick von Max Schaldach: Schrittmacher oder Defibrillatoren mit Home Monitoring übertragen Daten, die Aufschluss über die aktuelle Herzfunktion und das Implantat geben, via Mobilfunk zum Arzt. Medizintechnische Fortschritte dieser Art sind lebendiger Ausdruck seines leidenschaftlichen Forscherdranges.

Als Hochschullehrer und Mentor an der Universität Erlangen-Nürnberg förderte Max Schaldach junge Wissenschaftler und ermöglichte ihnen, ihre Begabungen und Talente weiterzuentwickeln. Er betreute über 100 Diplom- und Doktorarbeiten sowie 20 Habilitationen. Er war Herausgeber der Zeitschrift „Progress in Biomedical Research“.

Max Schaldach war nicht nur ein kreativer und visionärer Wissenschaftler. Er verfügte zugleich über die rationale Selbstkontrolle eines Ingenieurs und die wirtschaftliche Kompetenz eines industriellen Strategen.


Lebensstationen im Überblick
1963       Der Herzchirurg Prof. Dr. Emil Sebastian Bücherl tritt an den damaligen Studenten der Technischen Universität Berlin, Max Schaldach, mit der Idee heran, einen implantierbaren Herzschrittmacher zu entwickeln.
Gemeinsam mit Otto Franke gründet Max Schaldach ein Unternehmen, das den ersten implantierbaren Herzschrittmacher in Deutschland entwickelt.

1964
  Physikdiplom an der Technischen Universität Berlin 
1966    Promotion an der Technischen Universität Berlin
Diplom und Promotion zum Thema: „Elektrische Eigenschaften von Phasengrenzen zwischen Germanium und Elektrolyten“ (d.h. zwischen einem Implantat und den physiologischen Prozessen im menschlichen Körper). Dies ermöglichte die Entwicklung von Sensoren auf Halbleiterbasis, mit denen man den pH-Wert und die Sauerstoffsättigung in Elektrolyten messen kann.
1968    Habilitationsschrift über die Potential- und Ladungsverteilung an der Phasengrenze zwischen einem Halbleiter und einem Elektrolyten; legte die Grundlage für weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeit zur Biokompatibilität von Implantaten.
1970    Professor für Experimentalphysik, Technische Universität Berlin
Geschäftsführender Direktor des Zentralinstituts für Biomedizinische Technik und Ordentlicher Professor und Lehrstuhlinhaber für Physikalisch-Medizinische Technik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
70er Jahre    Forschung zu elektrochemischen Modellen der Proteinen-Aktivierung, Biomaterialien, Biomechanik, Elektrophysiologie und weiteren Themen 
80er Jahre   Forschung zu kreislaufunterstützenden Systemen, Modellierung des kardiovaskulären Systems, künstlichen Organen, Interventioneller Kardiologie und weiteren Themen
1989
  Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1994    Verleihung der Ehrendoktorwürde, Lomonosov-Universität, Moskau, Russland;
Implantat zur Überwachung von Herztransplantaten 
Ab 1998    Mitglied der Russischen Medizinischen Akademie 
1999    Entwicklung der Fernüberwachung implantierbarer Schrittmacher und Cardioverter/Defibrillatoren
2000    Gründung der „Max Schaldach Stiftung zur Förderung der interfakultativen Herz- und Kreislaufforschung“ in Erlangen 
2000    Erstmalige Verleihung des Ohm-Preises